Die Humanembryologische Sammlung ('Blechschmidt-Sammlung')
im Zentrum Anatomie der Universitätsmedizin Göttingen

Die Humanembryologische Dokumentationssammlung Blechschmidt ist, aufgrund der aktuell ansteigenden Infektionsraten mit Covid-19, bis auf weiteres geschlossen.

3D Modell Embryo

Über einen Zeitraum von 25 Jahren, von 1946 bis 1973, wurden unter der Leitung von Prof. Blechschmidt 120 Embryonen aus dem ersten Schwangerschaftsdrittel sowie über 200 Organe oder Körperteile menschlicher Embryonen und Feten aus sämtlichen Phasen der Schwangerschaft als Zufallsfunde von gynäkologischen Operationen gesammelt und nach der Einbettung in Paraffinwachs in Serie geschnitten. Insgesamt sind über 200.000 Schnitte auf über 20.000 mikroskopischen Objektträgern vorhanden.

Die Modelle wurden nach der eigens modifizierten Bornschen Wachsplattenmethode von 9 ausgewählten Schnittserien in jeweils mindestens 3 verschiedenen Ausführungen angefertigt und stellen daher Rekonstruktionen der originären topographischen Verhältnisse dar: Die verschiedenen Ausführungen zeigen entweder (1) die äußere Oberfläche des Embryos, (2) ausgewählte innere Organe (z.B. Herzkreislaufsystem, Lungen, Magen-Darmtrakt und Nervensystem, s. Abb. vom Modell eines 4,2 mm großen Embryos aus der 5. Entwicklungswoche) oder (3) ausgewählte funktionelle Systeme (z.B. Knochenanlagen, Muskulatur und periphere Nerven) stark vergrößert und in ihrer vollständigen dreidimensionalen Ausdehnung und topographischen Nachbarschaft zu einander. Die Rekonstruktionen zeichnen sich durch eine hohe Detailgenauigkeit und Übersichtlichkeit aus, die durch die Kombination einer optimalen chemischen Fixierung der Gewebe, die Verwendung eines leicht modellierbaren Kunstharzes und einer spezifischen Farbkodierung ermöglicht wurde. Jedes Modell ist in einer von allen Seiten zugä nglichen Vitrine fest montiert; die Vitrinen sind nach Entwicklungsalter geordnet in einem eigenen Ausstellungsraum untergebracht, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Weltweit gibt es nur wenige ausgedehnte Sammlungen mit histologischen Schnittserien menschlicher Embryonen. Neben den Sammlungen der Carnegie Institution in Washington D.C. (U.S.A) und dem Congenital Anomaly Research Centre der Kyoto Universität (Japan) gehört die 'Blechschmidt-Sammlung' wegen ihrer Vollständigkeit und der hervorragenden Qualität der histologischen Schnitte zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art.

In nächster Zukunft sollen die Schnittserien mit Hilfe der sog. virtuellen Mikroskopie digitalisiert, mit grundlegenden Informationen und Hyperlinks annotiert und online zugänglich gemacht werden, damit sie als internationales Referenzzentrum für die humanembryologische Forschung dienen können. Aufgrund der großen Fortschritte in der Entwicklung bildgebender Techniken (z.B. 3-D-Ultraschall) ist damit zu rechnen, dass die Sammlung bald auch zu einem wichtigen Referenzzentrum für die Pränataldiagnostik wird.

Die Ausstellung der plastischen Rekonstruktionen ist im Zentrum Anatomie, Kreuzbergring 36, 37075 Göttingen, untergebracht und nach Anmeldung im Sekretariat der Anatomie (Tel. 0551 39-7000) öffentlich zugänglich.